Mein Reisebericht aus Bosnien – eine Reise, die vieles in Bewegung gebracht hat
Transporttag im Prince Palace
Anfang September ging es für mich nach Bosnien. Ich wollte mir vor Ort selbst ein Bild machen – nicht anhand von Fotos, Videos oder Erzählungen, sondern wirklich sehen, wie Tierschutz dort funktioniert, wo die Tiere leben und vor welchen Herausforderungen die Menschen stehen, die sich Tag für Tag um sie kümmern. Ich bin mit vielen Erwartungen hingefahren – und mit noch viel mehr Gedanken und Fragen wieder nach Hause gekommen. Anja Oertel 2. Vorsitzende Apal ohne Grenzen e.V.
Ich arbeite schon viele Jahre im Auslandstierschutz und kannte bisher vor allem die Arbeit auf Kreta. Natürlich war mir klar, dass Bosnien anders sein würde. Wie unterschiedlich Tierschutz selbst innerhalb eines Landes aussehen kann, habe ich allerdings erst vor Ort wirklich verstanden.
Ich bin mit vielen Erwartungen hingefahren – und mit noch viel mehr Gedanken und Fragen wieder nach Hause gekommen.
Prince Palace – unser Kooperationspartner vor Ort
Ein wichtiger Teil meiner Reise war der Besuch im Prince Palace in Gradiška, dem Shelter unseres bosnischen Kooperationspartners SOS Šapice. Gerade weil wir zusammenarbeiten und Hunde von dort übernehmen, war es mir wichtig, die Anlage nicht nur von Bildern, Videos und Erzählungen zu kennen, sondern sie selbst zu sehen.
Und ich muss sagen: Mit dem Bild, das viele vermutlich zunächst im Kopf haben, wenn sie an ein Tierheim in Bosnien denken, hat Prince Palace wenig gemeinsam.
Die Anlage ist beeindruckend und bis ins Detail durchdacht. Epoxidharzböden, geflieste Bereiche und Glasflächen – hier wurde nicht einfach irgendwo Platz für Hunde geschaffen, sondern sehr bewusst geplant, wie ein Tierheim hygienisch und funktional betrieben werden kann. Die einzelnen Bereiche sind klar strukturiert, die gesamte Anlage wirkt modern, gepflegt und professionell.
Die Hunde leben dort in einzelnen Pens. Natürlich ersetzt auch eine noch so hochwertige Tierheimanlage kein eigenes Zuhause. Aber solange Hunde in einem Shelter leben müssen, sind gute hygienische Bedingungen, eine verlässliche Versorgung und funktionierende Strukturen enorm wichtig.
Und genau das habe ich dort gesehen.
Prince Palace hat mich wirklich beeindruckt. In die Anlage wurde erheblich investiert und das sieht man. Sie dürfte in ihrer Ausstattung und baulichen Ausführung durchaus mit vielen deutschen Tierheimen mithalten – und vermutlich manches sogar übertreffen.
Durch unsere Zusammenarbeit mit Dali und SOS Šapice hatte ich außerdem die Möglichkeit, mehr über die Abläufe und Herausforderungen des Tierschutzes vor Ort zu erfahren. Gerade diese Einblicke waren für mich wichtig. Denn ich wollte auf dieser Reise nicht einfach bestätigt bekommen, was ich vorher vielleicht angenommen hatte. Ich wollte die Realität selbst kennenlernen.
Und zu dieser Realität gehört auch, dass Tierschutz in Bosnien vollkommen unterschiedlich aussehen kann.
Eine völlig andere Welt – 45 Hunde und ein Mensch
Neben Prince Palace habe ich eine Form des Tierschutzes kennengelernt, die kaum gegensätzlicher sein könnte.
Ich besuchte Sergej und seine rund 45 Hunde.
Dort gibt es keine Pens, keine Zwinger und keine einzelnen Gehege. Die Hunde leben frei mit ihm im Haus, im Garten und auf dem Grundstück.
45 Hunde. Diese Zahl muss man sich erst einmal vorstellen. Viele Menschen sind bereits mit zwei oder drei Hunden mehr als ausgelastet. Bevor man selbst dort gewesen ist, fragt man sich zwangsläufig: Wie kann das überhaupt funktionieren?
Dann steht man mittendrin.
Zwischen großen und kleinen, jungen und alten, selbstbewussten und unsicheren Hunden. Manche suchen sofort die Nähe, andere beobachten einen lieber aus sicherer Entfernung.
Und ziemlich schnell merkt man: Das sind nicht einfach 45 Hunde.
Jeder einzelne hat seine Eigenheiten, seine Beziehungen innerhalb der Gruppe, seine Unsicherheiten und seine Grenzen. Und der Mensch, mit dem sie zusammenleben, kennt sie. Er weiß, wer Nähe sucht, wer Abstand braucht, wer unsicher ist und bei wem man vorsichtiger sein muss.
Während meiner Besuche habe ich selbst erlebt, wie unterschiedlich diese Hunde sind.
45 Hunde – und 45 Persönlichkeiten
Einer der Angsthunde beobachtete mich lange aus sicherer Entfernung. Ich hockte mich hin, seitlich von ihm abgewandt, und ließ ihn einfach selbst entscheiden, ob und wie nah er kommen wollte.
Irgendwann siegte tatsächlich die Neugier.
Ganz vorsichtig kam er näher und schnupperte an mir. Für einen Hund, der Menschen eigentlich lieber aus dem Weg geht, war das ein kleiner, aber besonderer Moment.
Allzu romantisch sollte ich ihn allerdings nicht verklären: Nachdem er all seinen Mut zusammengenommen und mich ausgiebig überprüft hatte, hob er das Bein und markierte mich.
Und weil einmal offenbar nicht reichte, wiederholte er das Ganze später noch einmal. 😅
Ich musste lachen. Und trotzdem ist mir gerade dieser Hund besonders im Gedächtnis geblieben. Denn hinter all seiner Angst war da noch etwas anderes: Neugier. Er wollte herausfinden, wer dieser fremde Mensch war. Er wollte Kontakt aufnehmen – nur eben zu seinen Bedingungen.
Eine andere Hündin hatte dagegen überhaupt kein Problem mit Nähe.
Irgendwann sprang sie kurzerhand auf meinen Schoß und machte es sich dort bequem. Damit war die Sache aus ihrer Sicht offenbar geklärt:
Ich gehörte jetzt ihr.
Jeder andere Hund, der sich mir auf ungefähr einen Meter näherte, wurde energisch verbellt und notfalls auch wieder auf Abstand gebracht. Meine neu gewonnene Freundin hatte offensichtlich beschlossen, dass Teilen keine Option war. 😅
Natürlich ist solches Verhalten fachlich betrachtet nicht einfach nur niedlich. Aber auch diese Situation erzählte viel über die unterschiedlichen Charaktere innerhalb dieser großen Gruppe.
Dann war da noch eine weitere Hündin, die meine Nähe auffallend intensiv suchte. Sergej stellte irgendwann selbst ziemlich erstaunt fest, dass er von ihr normalerweise längst nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt.
Als ich am nächsten Tag wiederkam, war es genauso. Sie suchte wieder meine Nähe und Aufmerksamkeit.
Warum, weiß ich nicht. Vielleicht war es tatsächlich ein kleines Mann-Frau-Ding. Vielleicht mochte sie mich aus irgendeinem anderen Grund einfach besonders gern.
Aber sie hatte ihre Entscheidung offensichtlich getroffen.
Und dann gab es noch den Akita, den Sergej als den „Chef“ der Gruppe bezeichnete.
Zunächst sagte er mir, ich müsse ein wenig darauf achten, wie ich mich bewege.
Das nimmt man bei einem Akita, der einem gerade als Chef einer Gruppe von rund 45 frei zusammenlebenden Hunden vorgestellt wurde, durchaus ernst. 😅
Der Hund sah mich kurz an.
Sergej beobachtete seine Reaktion – und dann kam fast unmittelbar die Entwarnung. Sinngemäß sagte er:
„Ach nein. Er spürt deine Energie. Kein Problem.“
Und tatsächlich war es kein Problem.
Ich möchte daraus gar nichts Mystisches machen. Viel interessanter fand ich, wie selbstverständlich und schnell er die Reaktion seines Hundes einordnen konnte.
Genau solche Momente haben mir mehr über dieses Zusammenleben mit 45 Hunden erzählt als jede Zahl es könnte.
Da war ein Angsthund, der all seinen Mut zusammennahm, um mich kennenzulernen – und anschließend offenbar zu dem Schluss kam, dass ich dringend markiert werden musste. Eine Hündin erklärte meinen Schoß kurzerhand zu ihrem Eigentum. Eine andere schenkte mir an beiden Tagen so viel Aufmerksamkeit, dass selbst ihr eigener Mensch darüber erstaunt war. Und der „Chef“ der Gruppe entschied nach kurzer Prüfung offenbar, dass mit mir alles in Ordnung war.
45 Hunde – und 45 vollkommen unterschiedliche Persönlichkeiten.
Vielleicht war genau das einer der Punkte, die mich dort am meisten beeindruckt haben: Bei dieser unglaublichen Anzahl geht der einzelne Hund trotzdem nicht verloren.
Die Hunde in der zweiten Reihe
Unter diesen 45 leben viele der Hunde, an denen mein eigener Blick im Tierschutz schon immer hängen bleibt.
Die Ängstlichen. Die Unsicheren. Die Kranken. Die Alten. Hunde mit Handicap. Hunde, die Zeit brauchen. Hunde, die nicht sofort auf einen fremden Menschen zulaufen und sich anfassen lassen. Hunde, bei denen ein schönes Foto allein nicht ausreicht, damit sich sofort jemand in sie verliebt.
Mein Blick geht im Tierschutz schon immer besonders zu den Hunden, deren Chancen schlechter sind.
Auch bei Apal haben genau diese Hunde immer wieder ihre Chance bekommen. Wir haben über viele Jahre Hunde begleitet und vermittelt, deren Weg eben nicht der einfachste war.
Und ich glaube, dass genau das ein wichtiger Teil dessen ist, was unsere Arbeit ausmacht.
Diesen Anspruch möchte ich unbedingt bewahren.
Denn Tierschutz darf für mich nicht davon abhängen, ob ein Hund jung, gesund, unkompliziert und möglichst schnell vermittelbar ist.
Gerade diejenigen, die mehr brauchen – mehr Zeit, mehr Erfahrung, mehr medizinische Versorgung oder manchmal einfach mehr Unterstützung – dürfen nicht aus unserem Blick geraten.
Vielleicht hat mich diese Begegnung gerade deshalb so berührt.
Das war für mich keine neue Erkenntnis darüber, welchen Hunden ich helfen möchte. Das wusste ich vorher.
Aber ich habe dort jemanden getroffen, dessen Blick offenbar ebenfalls bei genau diesen Hunden hängen bleibt.
Und dann war da Manni
Zu meiner Reise gehört aber auch eine Geschichte, die sehr viel schwerer zu erzählen ist.
Am zweiten Tag fand ich auf der Straße ein winziges Katzenbaby. Viel zu dünn, viel zu klein und offensichtlich auf Hilfe angewiesen.
Ich nahm den Kleinen mit.
Wir nannten ihn Manni.
Natürlich hoffte ich, dass wir ihn durchbekommen würden. Er fraß, war zunächst noch munter – und für einen Moment sah es so aus, als hätte dieser winzige Kerl vielleicht einfach nur jemanden gebraucht, der ihn findet.
In meiner letzten Nacht vor dem Rückflug änderte sich sein Zustand dramatisch.
Manni wurde immer schwächer und kühlte aus. Irgendwann war klar, dass wir dringend tierärztliche Hilfe brauchten.
Aber mitten in der Nacht war kein Tierarzt erreichbar.
Also blieb nur das, was in diesem Moment noch möglich war. Ich verbrachte die letzte Nacht vor meinem Rückflug bei Dali, hielt Manni warm und war bei ihm.
Irgendwann ging es nicht mehr darum, ihn irgendwie bis zum nächsten Morgen zu bekommen.
Es ging nur noch darum, dass er in seinem Todeskampf nicht allein sein musste.
Am Morgen starb Manni in meinen Armen.
Ich konnte ihn nicht retten.
Das ist wahrscheinlich einer der Momente dieser Reise, den ich am liebsten nicht erlebt hätte – und den ich trotzdem nicht aus meinem Reisebericht herauslassen möchte.
Denn auch das ist Tierschutz.
Man kann ein Tier finden. Man kann helfen wollen. Man kann bereit sein, alles zu tun. Und trotzdem stößt man manchmal an Grenzen, die man in diesem Moment selbst nicht überwinden kann.
Für Manni kam die Hilfe zu spät.
Aber er ist nicht irgendwo allein auf einer Straße gestorben. In seiner letzten Nacht war jemand bei ihm, hat ihn warmgehalten und festgehalten.
Mehr konnte ich ihm am Ende nicht mehr geben. Aber wenigstens das konnte ich ihm geben.
Was passiert mit denen, die Hilfe brauchen?
Vielleicht war es gerade die Mischung all dieser Erlebnisse, die diese Reise für mich so intensiv gemacht hat.
Auf der einen Seite eine beeindruckende und professionell geplante Tierheimanlage wie Prince Palace. Dann ein vollkommen anderes Leben mit rund 45 Hunden, ohne Zwinger und Gehege. Und dazwischen ein winziges Katzenbaby, bei dem plötzlich nicht mehr zählt, wie sehr man helfen möchte, sondern welche Hilfe in diesem Moment tatsächlich erreichbar ist.
Bosnien hat mir sehr deutlich gezeigt, wie viele verschiedene Gesichter Tierschutz haben kann.
Und es hat Fragen noch einmal viel greifbarer gemacht, die mich schon lange beschäftigen.
Tierschutz funktioniert vielerorts zwangsläufig auch über Vermittlungen. Ein Hund reist aus, ein Platz wird frei und der nächste kann nachrücken. Transporte, tierärztliche Versorgung und Futter müssen finanziert werden.
Ich kenne dieses System. Ich bin selbst seit vielen Jahren Teil davon.
Aber wenn man vor Ort steht, bekommt diese Logik plötzlich Gesichter.
Was passiert mit dem Hund, der seit Jahren Angst vor Menschen hat? Mit dem alten Hund? Mit dem chronisch kranken? Mit dem Hund mit Handicap? Mit dem Hund, der vielleicht schnappt, wenn er sich bedrängt fühlt?
Und was passiert mit einem winzigen Katzenbaby, wenn nachts dringend medizinische Hilfe gebraucht wird und niemand erreichbar ist?
Was passiert mit all denen, deren Weg nicht einfach ist?
Das sind keine neuen Fragen für mich.
Aber Bosnien hat ihnen Gesichter gegeben.
Eine Reise, die vieles in Bewegung gebracht hat
Ich möchte diesen Reisebericht nicht schöner schreiben, als diese Tage für mich tatsächlich waren.
Es gab Momente, die mich sehr nachdenklich gemacht haben. Obwohl ich schon viele Jahre im Auslandstierschutz aktiv bin, habe ich mich in Bosnien noch einmal ganz grundsätzlich gefragt, wie guter und nachhaltiger Auslandstierschutz für mich eigentlich aussehen muss.
Ich habe darüber nachgedacht, was wir tun, welche Hunde eine Chance bekommen, wie wir diejenigen erreichen können, die mehr Unterstützung benötigen – und was wir vielleicht auch vor Ort bewirken können.
Diese Gedanken waren nicht immer leicht.
Aber ich glaube, dass genau dieses Hinterfragen zum Tierschutz dazugehört.
Wir sollten nicht irgendwann aufhören, Fragen zu stellen, nur weil wir etwas schon viele Jahre auf eine bestimmte Weise machen.
Die Begegnungen mit den Hunden, mit den Menschen vor Ort und auch die Nacht mit Manni haben mir sehr unterschiedliche Seiten derselben Sache gezeigt.
Und sie haben mich darin bestärkt, dass wir weiterhin Wege finden müssen, auch genau den Tieren eine Chance zu geben, deren Weg nicht einfach ist.
Vielleicht muss man Tierschutz manchmal weiterdenken
Ich bin nicht mit fertigen Antworten aus Bosnien zurückgekommen.
Eher mit dem Gegenteil.
Aber vielleicht ist das gar nicht schlecht.
Ich glaube heute noch stärker als vorher, dass guter Auslandstierschutz nicht ausschließlich daran gemessen werden darf, wie viele Hunde vermittelt werden.
Natürlich ist jedes gute Zuhause ein Erfolg. Und selbstverständlich soll kein Hund sein Leben in einem Shelter verbringen müssen, wenn es eine gute Alternative für ihn gibt.
Aber Tierschutz ist mehr als Vermittlung.
Er kann bedeuten, medizinische Versorgung möglich zu machen. Futter zu finanzieren. Kastrationen zu unterstützen. Bedingungen vor Ort zu verbessern.
Und er kann bedeuten, die Menschen vor Ort zu unterstützen, die jeden einzelnen Tag für diese Tiere da sind, wenn wir längst wieder zu Hause sind.
Manchmal bedeutet Tierschutz eben auch, einen einzigen Hund nicht aufzugeben, obwohl sein Weg sehr viel länger und schwieriger sein wird als der eines anderen.
Und manchmal bedeutet es, bei einem winzigen Katzenbaby zu bleiben, obwohl man weiß, dass man es nicht mehr retten kann.
Die Gedanken, die ich aus Bosnien mitgebracht habe, werden mich deshalb sicherlich noch eine ganze Weile beschäftigen und sicher auch in unsere weitere Vereinsarbeit einfließen.
Ohne die richtigen Pflegestellen geht es nicht
Eines ist für mich dabei ganz klar geworden: Wenn wir auch weiterhin gerade den Hunden eine Chance geben wollen, die mehr Unterstützung benötigen, brauchen wir die richtigen Menschen an ihrer Seite.
Pflegestellen – und ganz besonders erfahrene Fachpflegestellen – sind dafür unendlich wichtig.
Denn nicht jede Pflegestelle muss und kann alles leisten.
Ein Angsthund braucht etwas anderes als ein Senior. Ein Hund mit Handicap stellt andere Anforderungen als ein Hund mit Verhaltensbaustellen. Ein chronisch kranker Hund braucht vielleicht vor allem jemanden, der seine medizinische Versorgung zuverlässig begleitet.
Und ein Hund, der sein bisheriges Leben kaum etwas kennenlernen durfte, braucht möglicherweise zunächst einfach einen Menschen, der nichts von ihm erwartet und ihm die Zeit lässt, selbst die ersten Schritte zu machen.
So wie der Angsthund, den ich in Bosnien kennenlernen durfte.
Für einen Außenstehenden ist es vielleicht nichts Besonderes, wenn ein Hund ein paar Schritte näherkommt und an einem Menschen schnuppert.
Für genau diesen Hund kann es ein riesiger Schritt sein.
Eine gute Pflegestelle ist für solche Hunde deshalb nicht einfach eine Zwischenstation.
Sie kann der entscheidende Wendepunkt in ihrem Leben sein.
Manchmal besteht ein großer Erfolg nicht darin, dass ein Hund nach wenigen Tagen perfekt an der Leine läuft.
Manchmal ist der Erfolg, dass er zum ersten Mal freiwillig einen Raum betritt. Dass er in Anwesenheit eines Menschen schlafen kann. Dass er eine Berührung zulässt. Oder dass er nach Wochen zum ersten Mal selbst einen Schritt auf einen Menschen zumacht.
Aus diesen kleinen Schritten können irgendwann ganz große Veränderungen entstehen.
Deshalb möchte ich meinen Reisebericht auch mit einem ganz persönlichen Wunsch verbinden:
Wenn ihr Erfahrung mit Angsthunden, unsicheren oder verhaltensauffälligen Hunden habt, wenn ihr einen Senior begleiten könnt, euch die Versorgung eines kranken Hundes zutraut oder einem Hund mit Handicap eine Chance geben möchtet, dann meldet euch bei uns.
Wir brauchen Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Möglichkeiten.
Denn nur wenn wir die passenden Pflegestellen haben, können wir auch verantwortungsvoll Ja zu einem Hund sagen, der ein bisschen mehr braucht.
Was von Bosnien bleibt
Ich habe in diesen Tagen unglaublich viel gesehen und erlebt.
Schönes. Schwieriges. Lustiges. Trauriges.
Und manches, das ich wahrscheinlich noch eine ganze Weile sortieren muss.
Ich habe mit Prince Palace das beeindruckende und bis ins Detail durchdachte Tierheim unseres Kooperationspartners SOS Šapice kennengelernt.
Ich habe erlebt, wie rund 45 völlig unterschiedliche Hunde frei mit einem Menschen zusammenleben und wie der einzelne Hund trotz dieser unglaublichen Anzahl nicht aus dem Blick gerät.
Ich habe über einen Angsthund gelacht, der erst all seinen Mut zusammennahm, um mich kennenzulernen, und mich anschließend zweimal markierte.
Eine Hündin hat meinen Schoß kurzerhand zu ihrem Eigentum erklärt und danach beschlossen, dass mir bitte kein anderer Hund mehr zu nahe kommen sollte.
Eine andere Hündin fand mich an beiden Tagen aus irgendeinem Grund so interessant, dass selbst ihr eigener Mensch darüber erstaunt war.
Und ich habe Bekanntschaft mit dem „Chef“ einer ziemlich außergewöhnlichen Hundegruppe gemacht.
Aber ich habe auch Manni gefunden.
Und ich musste erleben, dass helfen wollen manchmal nicht ausreicht.
All das gehört zu dieser Reise.
Die unterschiedlichen Formen des Tierschutzes, die ich gesehen habe, möchte ich dabei nicht gegeneinander aufwiegen. Die Voraussetzungen könnten teilweise kaum verschiedener sein.
Aber sie alle gehören zu dem Bosnien, das ich kennengelernt habe.
Genauso wie ein winziges Katzenbaby auf einer Straße.
Ich bin mit mehr Fragen nach Hause gekommen, als ich mitgenommen habe.
Aber auch mit einer Gewissheit:
Mein Blick wird weiterhin zu den Tieren in der zweiten Reihe gehen.
Zu den Ängstlichen und Unsicheren. Zu den Alten und Kranken. Zu den Tieren mit Handicap. Zu denen, die vielleicht ein bisschen länger brauchen und ein bisschen mehr Unterstützung benötigen. Und zu denen, bei denen niemand versprechen kann, dass der Weg einfach wird.
Denn auch sie verdienen ihre Chance.
Und vielleicht war die Begegnung mit Sergej gerade deshalb so besonders für mich.
Weil ich weit weg von zu Hause einen Menschen getroffen habe, dessen Blick offenbar bei genau denselben Tieren hängen bleibt.
Und manchmal reicht genau so eine Begegnung, um einen darin zu bestärken, den eigenen Weg weiterzugehen.

Rudi ein alter kranker Hund bei Sergej

Manni
Du möchtest einem besonderen Hund eine Chance geben?
Gerade für Angsthunde, Senioren, kranke Hunde und Hunde mit Handicap suchen wir Menschen, die ihnen mit Zeit, Geduld und der passenden Erfahrung zur Seite stehen. Vielleicht kannst genau du für einen dieser Hunde der entscheidende Wendepunkt sein.

